Wie sieht eine gesunde Ernährung aus?

Erfreulicherweise nimmt das generelle Interesse an einer guten und artgerechten Haltung von Kurzkopfgleitbeutlern stetig zu. Wir beobachten diese Entwicklung mit Genugtuung und freuen uns auch, dass sich immer mehr Halter an der Aufklärung beteiligen.

© Andra Claudia B.

Leider müssen wir aber auch feststellen, dass manche Informationen im Internet und auf diversen Plattformen zum Teil unvollständig, falsch oder mit veränderten Angaben veröffentlicht werden. In diesem Artikel werden einige dieser strittigen „Aussagen“, die häufig zu finden sind, unter die Lupe genommen, bewertet und sinnvoll zusammengefasst. Ziel ist es, dass wir Informationslücken schließen und einige Mythen richtig stellen.

Die Frisch-oder-Eingefroren-Debatte

Häufig ist von einer „frischen“ Ernährungsweise die Rede. Mit frisch ist hier meistens gemeint, dass die Sugar Glider jeden Abend lediglich frisches Obst und Gemüse erhalten. Die Befürworter argumentieren, dass frisches Obst und Gemüse das Beste und Gesündeste für die Tiere ist. Meistens wird dann noch mit einigen Zusätzen experimentiert.

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Die Ernährungsweisen, die wir für gutheißen, wie z.B. SGS 2, TPG oder auch die Wombaroo High Protein-Diät wurden auch vor Jahren „experimentell“ getestet. Wir hätten heute viele dieser unterschiedlichen Diäten heute gar nicht, hätte nicht jemand vor vielen Jahren probiert eine eigene Diät für die eigenen Tiere zu erstellen. Man muss allerdings immer sehr vorsichtig sein, denn, nur weil eine Diät frisches Obst und Gemüse enthält, ist sie nicht gleich gut oder gesund.

In den von uns empfohlenen Diäten werden auch frische Zutaten (Obst und Gemüse) genutzt, welche dann allerdings mit den entsprechenden Zusätzen in genauer Menge vermischt werden. Mann kann diese Mischung dann einfrieren und abends portionsweise auftauen oder aber auch jeden Abend die Mischung frisch herstellen.

Jetzt steht man vor dem Dilemma: Frisch oder eingefroren? Was ist denn besser?

Nachdem man sich mit diesem Dilemma befasst hat, drängt sich die Frage auf: „Ist es besser, das Essen frisch einzufrieren oder lasse ich die Lebensmittel mehrere Tage bis Wochen im Kühlschrank oder auf der Küchenbank verweilen, da diese nicht leicht verderben?“ Mit dieser Frage muss sich jeder Halter auseinandersetzen, der weniger als 10 Tiere hält. Wie viel Essen wird verderben und muss entsorgt werden, wenn gewöhnliche Halter mit kleinen Gruppen jeden Tag ihre Tiere „frisch“ füttern?

Wie bereits gesagt, müssen die Diäten wie SGS 2 oder OHPW auch gar nicht zwingend eingefroren werden. Es gibt sehr wohl Züchter, die alle 2-3 Tage SGS 2 frisch herstellen und im Kühlschrank aufbewahren (übrigens sollte auch eingefrorenes Essen selbstverständlich vor dem Servieren im Kühlschrank aufgetaut werden).

Die Vorteile einer frischen Ernährung sind natürlich unstrittig, trotzdem muss man bedenken, dass Sugar Glider exotische Tiere sind, die sehr gerne exotische Obst- und Gemüsesorten wie z.B. Papaya, Mango oder Bok Choy essen. Der Verstand sagt, dass frisches Obst immer besser ist, doch es stellt sich die Frage, inwiefern das noch gilt, wenn diese exotischen Nahrungsmittel aus verschiedenen Ländern über Wochen hinweg transportiert werden. Je länger ein Produkt aufbewahrt und nicht konsumiert wird, desto mehr Nährstoffe gehen verloren. Obst und Gemüse, das eingefroren eingekauft wird, kann mitunter mehr Vitamine enthalten, als frische, aber importierte Produkte. Tiefgekühltes Obst und Gemüse wird für gewöhnlich gleich nach der Ernte gereinigt und schnell eingefroren, somit bleiben die meisten Nährstoffe erhalten. Am besten ist es also darauf zu achten, dass der Nährstoffgehalt maximal hoch ist und unter anderem auch auf saisonale und lokale Produkte zurückzugreifen.

Also stellt sich die Frage: Lasse ich das Obst über mehrere Tage und Wochen draußen bleiben oder friere ich das schnell ein, um die Nährstoffe zu behalten? Man muss nicht lange recherchieren, um ausreichend Artikel über die Hochwertigkeit verschiedener Standarddiäten, die eingefroren werden, zu finden. Somit ist die Aussage, dass das Einfrieren die Qualität der Nahrung negativ beeinträchtigt, überflüssig und kann mit zahlreichen Gegenargumenten widerlegt werden. Des Weiteren existieren diese Standarddiäten nicht erst seit wenigen Jahren, sondern werden teilweise schon mehr als 15 Jahre mit überzeugendem Erfolg gefüttert.

Letztlich muss jeder Halter für sich selbst entscheiden in welcher Form das Essen angeboten und aufbewahrt wird.

Die Salat-oder-Brei-Debatte

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Einige Halter empfehlen es den Sugar Glidern die Obst-Gemüsemischung als groben „Obstsalat“ zu reichen. Hier wird oft argumentiert, dass Tiere sehr wohl wissen, was sie brauchen und was sie nicht brauchen und sich dementsprechend das nehmen, was sie brauchen und wollen. Deshalb wird dann häufig davon abgeraten das Essen zu zerkleinern, wie z.B. bei SGS 2 empfohlen.
Dieser Logik folgend, müssten Sugar Glider eine maximale Selbstbeherrschung haben, um zwischen „gesund“ und „lecker“ zu unterschieden. Wenn Sugar Glider die Wahl zwischen Sellerie und Mais oder Karotte oder Maracuja haben, werden sie sich mit Sicherheit für die „ungesünderen“ Lebensmittel entschieden. Wenn auch der Körper vielleicht weiß, was einem gut tut, greift man doch oft eher zu den Sachen, die besser schmecken und mehr der Seele als dem Hüftumfang helfen.
Gleichzeitig, und das verblüfft uns bis heute, empfehlen die Befürworter einer „Obstsalat-Diät“ häufig auch Babybrei, welcher wirklich nur sehr selten und begrenzt angeboten werden sollte.

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Der Vorteil einer Ernährungsweise wie z.B. SGS 2 ist, dass das Essen klein genug geschnitten wird, damit die Tiere nicht einfach nach Geschmack und Laune wählen können und somit alles, auch die gesünderen, zuckerärmeren Bestandteile, essen müssen. Somit ist die Nährstoffversorgung der Sugar Glider garantiert und die Verschwendung von Lebensmitteln wird minimiert.
Neben den Befürwortern einer „Obstsalat-Diät“ wird auf der anderen Seite häufig die konträre Meinung vertreten, nämlich, dass das Essen komplett flüssig verabreicht werden soll. Dies heißen wir auch nicht gut, denn auch hier gibt es negative Aspekte. In der richtig verarbeiteten groben SGS 2 Mischung sind noch viele Ballaststoffe enthalten, die von den Sugar Glidern nicht zur Gänze aufgenommen werden sollten wie beispielsweise grobe Fasern vom Gemüse. Diese Fasern spucken die Sugar Glider im Normalfall während des Essens wieder aus und dies ist auch nötig, denn viele Lebensmittel werden von den Sugar Glidern sozusagen „ausgelutscht“. Bei einem ganz flüssigen Brei ist dies nicht mehr möglich und es ist schon von Beschwerden einer zu faserreichen Ernährung bei Sugar Glidern berichtet worden. Kleine Überreste vom Futter am nächsten Morgen sind deshalb geradezu erwünscht. Man soll den Tieren dementsprechend am besten immer so viel Essen anbieten, dass am nächsten Tag noch etwas übrig bleibt (das sind nämlich zum großen Teil die erwähnten ausgespuckten Ballaststoffe).

Als langjährige begeisterte Halter können wir also den mittleren Weg (grober Brei) allen Haltern nur ans Herz legen. Hier bekommen die Sugar Glider alles, was sie brauchen.

Die Zusätze-oder-keine-Zusätze-Debatte

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Unumstritten ist, dass eine rein „natürliche Ernährung“, die nur Obst, Gemüse und Insekten beinhaltet, nicht ausreichend ist, um Sugar Glider bei bester Gesundheit zu halten.
Wie Priv.-Doz. Dr. P. Kölle auch plädiert: „Sowohl Insekten als auch Pflanzen enthalten reichlich Phosphor, aber kaum Kalzium. Damit die Ration ein günstiges Kalzium: Phosphor-Verhältnis aufweist (ideal ist 1,3 – 1,5), muss Kalzium supplementiert werden…. Sowohl Insekten als auch Obst und Gemüse sollten täglich mit einem Vitamin-Mineralstoffgemisch, welches auch Kalzium in nennenswerter Menge (> 15%) enthält, bestäubt werden.“¹

Manche Halter empfehlen als Alternative zu einem Kalzium-Präparat Käse oder auch andere Milchprodukte. Wir raten dringend dazu, von solchen Experimenten Abstand zu nehmen. Zum einen hat man die aufgenommene Menge an Kalzium gar nicht unter „Kontrolle“, zum anderem ist „der in Kuhmilch enthaltene Milchzucker für Beuteltiere schwer verdaulich“² und kann ihnen somit mehr schaden als helfen.

Wir stellen also fest, es gehört mehr zu einer ausgewogenen Ernährung als Obst, Gemüse und Insekten. Leider können wir in Gefangenschaft die natürliche Ernährungsweise von wilden Sugar Glidern nicht vollständig reproduzieren. Umso wichtiger ist es also darauf zu achten, dass die Sugar Glider alle Zusätze bekommen, die eine gesunde Entwicklung fördern. Auch nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass frei lebende Sugar Glider eine kürzere Lebenserwartung als Tiere in Menschenobhut haben. Die Lebenserwartung wird nicht nur durch Raubtiere, sondern auch durch eine mitunter nicht ausreichende Ernährung reduziert, da Tiere in freier Wildbahn durch externe Faktoren nicht immer auf eine optimale Ernährung zurückgreifen können.

Die Standarddiät-oder-Nach-Augenmaß-Diät-Debatte

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Erfahrene Halter, die ihre Tiere sehr gut kennen, können schnell erkennen, unterscheiden und eingreifen, wenn es in der Ernährung an etwas mangelt: Wackelt das Tier ein bisschen zu sehr, kann dies auf einen Kalziummangel hindeuten. Riecht das Tier mehr als sonst, ist womöglich zu viel Eiweiß im Essen verabreicht worden. Das sind nur einfache Beispiele. Als Halter, besonders als Anfänger in der Exotenhaltung, muss man sich fragen, inwiefern man die Verantwortung über die Gesundheit der Tiere übernimmt. Wann möchte man eingreifen? Inwieweit möchte man die Gesundheit dem natürlichen Lauf der Dinge überlassen?

Wir empfehlen Standarddiäten, die jahrelang getestet wurden, um den Haltern die „Arbeit“ zu vereinfachen und, um der Verschwendung von Obst und Gemüse entgegenzuwirken. Nur, weil man eine Ernährungsweise wählt, die nicht „nach Augenmaß“ angepasst wird, ist man nicht automatisch faul oder inkompetent. Ganz im Gegenteil, es bedarf einiger Größe, um zu akzeptieren, dass man Unterstützung braucht und diese auch annimmt, bevor man mit der Gesundheit der kleinen Kurzkopfgleitbeutler jongliert.

Vitaminmischungen austauschen

Ein ganz großes Problem, das immer öfter vorkommt, ist, dass einige Halter mitunter den Austausch von empfohlenen Vitaminpräparaten empfehlen. Viele Standard-Diäten sind nur dann ausgewogen, wenn die empfohlenen Zusätze im Original und nach der angegebenen Dosierung verwendet werden. Nur so kann garantiert werden, dass sie ausgewogen und gesund sind. Man kann dementsprechend nicht einfach ein Produkt austauschen und hoffen, dass es auch so passt.

Quelle: Google

Beispielsweise können zwei unterschiedliche Multivitaminpräparate zwar beide für Sugar Glider geeignet sein, müssen aber nicht die gleiche Menge an Vitaminen und Spurenelementen enthalten oder beide gleich hochwertig sein. Es gibt von guten Produkten leider auch immer minderwertige (meistens günstigere) Nachahmungen auf dem Markt und diese werden leider oft empfohlen. Häufig sind einem dann Unterschiede in der Qualität gar nicht bewusst. Nur weil ein Produkt als geeignet für Sugar Glider empfohlen wird, heißt dies leider nicht, dass es auch so ist. Es ist daher sinnvoll ausführlich zu recherchieren oder nachzufragen, bevor man ein Produkt verwendet.

Auch eine Hypervitaminose (ein Überschuss an Vitaminen) kann durch den unüberlegten Austausch von Vitamin-Präparaten verursacht werden. Diese ist genauso gefährlich wie eine Mangelernährung.

Wenn man z.B. in englischsprachigen Sugar-Glider-Gruppen aktiv ist, kennt man schon einige dieser empfohlenen Präparate und die verschiedenen Folgen, die von ihrem Konsum ausgegangen sind. Eine gut gemeinte Empfehlung ist: Wenn man eine der Standarddiäten wählen möchte, dann sollte man sich kurz mit der originalen Quelle auseinandersetzen (z.B. auf sugarglider.info) und dabei die Produkte und Mengenangaben vergleichen. Eine seriöse Quelle hat nicht nur Teile einer Diät zu zitieren, sondern das ganze Dokument (oder gar nichts davon). Abweichungen von bekannten, namhaften Ernährungsweisen können unangenehme Konsequenzen mit sich bringen. Eine Diät garantiert auch nur dann die Gesundheit der Tiere, solange sie auch zu 100% eingehalten wird und man dabei die richtigen und originalen Zutaten und Produkte wählt, die vom Hersteller empfohlen werden.

Welches Multivitaminpräparat man letztendlich wählt, bleibt dem Besitzer überlassen, diese Entscheidung will aber gut überlegt sein. Dafür findet man im Netz zahlreiche Artikel und Bewertungen, die einem bei der Entscheidung helfen sollen. Nach dem Motto „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, empfehlen wir auf jeden Fall bei der Wahl des Multivitaminpräparates oder der Diät nicht auf Geld und Zugänglichkeit zu achten, sondern in erster Linie auf Qualität und Langzeitresultate.

Wir empfehlen die Zusätze immer über das Futter und nie über das Trinkwasser zu geben. Dies wird auch in dem Buch von Schneider und Döring „Verhaltensberatung bei kleinen Heimtieren“ (2017) empfohlen: „Reines Wasser sollte den Sugar Glidern immer ausreichend zur Verfügung stehen. In das Trinkwasser sollten daher keine Zusatzstoffe wie z.B. Vitamin-Mineralstoff-Gemische gegeben werden.“

Zahnprobleme

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Zahnprobleme sind bei Sugar Glidern leider ein häufiges Krankheitsbild und einige Ernährungsweisen scheinen Zahnprobleme zu begünstigen. Jede Diät kommt mit Vor- und Nachteilen, doch bei einer ausgewogenen Ernährung, die auch zusätzlich mit Trockenfuttermischungen (Haferflocken, hochwertige Pellets) oder anderen leckeren Sachen zum Knabbern (wie z.B. Zuckerrohr) ergänzt wird, kann man davon ausgehen, dass die Zähne der Tiere sehr gut gepflegt sind. Wie beim Menschen, kann es manchmal zu Problemen kommen, doch dies ist bei einer hochwertigen Ernährung eher selten der Fall und kommt vor allem dann vor, wenn die Tiere ganz „frisch und natürlich“, aber dafür mit z.B. viel Honig oder verarbeiteten Molkereiprodukten wie z.B. gesüßtem Joghurt ernährt werden.

Wir hoffen mit diesem Artikel einige Unklarheiten aus dem Weg geräumt zu haben und, dass wir euch bei der Wahl der richtigen Ernährung und Ernährungspräparate unterstützt haben.

Literatur

¹ Kölle, P.: Fütterung von Exoten, Animal Health https://www.med.vetmed.uni-muenchen.de/downloads/pressemappe/fuetterung-von-exoten.pdf
² Gollmann B., Gaßner G.: Sugar Gliders, Kurzkopfgleitbeutler (2001)
Schneider, Döring: Verhaltensberatung bei kleinen Heimtieren (2017)

Text: Andra Claudia B.

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