Lebendfutter

Allgemeines
Abhängig vom „saisonalen“ Nahrungsangebot ernähren sich Sugar Glider nicht nur von Obst, Baumsäften und Blüten, sondern auch sehr umfangreich von lebendiger Nahrung. Potenziell passen alle Tiere, die allein oder in der Gruppe erlegt werden können, ins Beuteschema der Sugar Glider. In der Natur sind dies hauptsächlich Insekten und deren Larven, kleine Wirbeltiere wie Echsen oder kleine Nager und Vögel sowie deren Eier und Jungtiere. Es gibt sogar Studien, die den Rückgang einer tasmanischen Papageienart, dem Schwalbensittich (Lathamus discolor), eindeutig mit den dort lebenden Sugar Glidern im Zusammenhang bringen.
Auch in menschlicher Obhut nehmen Sugar Glider Lebendfutter mit großer Begeisterung an. Abhängig vom Ernährungsplan kann Lebendfutter täglich angeboten werden. Es gibt bei der Verfütterung von Lebendfutter jedoch einiges zu beachten, was wir hier näher erläutern möchten. Weitere Informationen zur Ernährung und Lebendfutter befinden sich in unserem Haltungsratgeber.

Generell gilt:

  1. Insgesamt hat jegliches Lebendfutter ein sehr ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis, von daher sollte die Verfütterung von Lebendfutter wohlüberlegt erfolgen und stimmig mit dem gesamten Ernährungsplan (z.B. SGS 2, OHPW, TPG…) sein.
    Eine Fütterung von Lebendfutter über einen längeren Zeitraum „auf gut Glück“ und Bauchgefühl hat in einigen Fällen lebensbedrohlichen Situationen geführt.
  2. Niemals sollten Futtertiere aus der freien Natur den Weg in die Voliere finden. Dies ist nicht nur gesetzlich untersagt, sondern bringt auch das Risiko mit sich, einen Exo- oder Endoparasiten-Befall bei den Sugar Glidern zu riskieren.
  3. Nehmen Sie immer nur Insekten von einem vertrauenswürdigen Händler (z.B. Zoofachgeschäft, Online-Shops) oder züchten Sie Ihre Insekten gleich selbst, beispielsweise in einer Mehlwurmfarm.
    So kann man sicher sein, dass die Qualität der Futterinsekten angemessen ist.
  4. Vor der Verfütterung von Wirbeltieren (z.B. Mäuse, Küken etc.) raten wir grundsätzlich ab. Eine Verfütterung von lebendigen Wirbeltieren ist gesetzlich verboten und auch Tot- oder Frostfutter sind aufgrund von einigen möglichen negativen Effekten (z.B. Parasiten, Salmonellen etc.) wenig ratsam.
  5. Achten Sie darauf, dass die Futtertiere selbst vor dem Verfüttern gut und hochwertig ernährt werden. Ausgehungerte „vertrocknete“ Insekten stellen in keiner Weise eine Bereicherung im Speiseplan von Sugar Glidern dar. Das Prinzip des „gut loading“ ist hier sehr hilfreich, um den Nährstoffgehalt von Futtertieren aufzuwerten.
  6. Nicht alle Insekten haben die gleichen Nährwerte. Es gibt teils erhebliche Unterschiede.



Welche Futtertiere können verfüttert werden?

Im Folgenden stellen wir die Vor- und Nachteile der jeweiligen Futterinsekten vor:


Mehlwurm (Tenebrio molitor):

Mehlwürmer[1]
VorteileNachteile
  • leicht zu beziehen
  • einfach zu züchten
  • sehr beliebt bei Sugar Glidern
  • kann aufgrund der geringen Größe häufig gefüttert werden
  • hoher Fettgehalt
  • ungünstiges Ca-P-Verhältnis
  • entwickeln sich bei „falscher“ Lagerung schnell zu Käfern

Nährwerte Mehlwurm:[2]

Trockenmasse (in %)37,6 Calcium (in %)0,11
Rohprotein (in %)52,7 Phosphor (in %)0,77
Rohfett (in %)32,8 Magnesium (in %)0,22
Rohasche (in %)3,2 Natrium (in %)0,14
Rohfaser (in %)5,7 Kalium (in %)0,91
Bruttoenergie (kcal/g)6,49   

 



Heimchen (Acheta domesticus):

Heimchen[3]
VorteileNachteile
  • leicht erhältlich
  • simpel in der Nachzucht
  • in mehreren Größen erhältlich
  • durch Zirpgeräusche mitunter eine Lärmbelästigung
  • ungünstiges Ca-P-Verhältnis
  • kann schnell aus der Voliere entweichen

Nährwerte Heimchen:[4]

Trockenmasse (in %)31,0 Calcium (in %)0,14
Rohprotein (in %)64,9 Phosphor (in %)0,99
Rohfett (in %)13,8 Magnesium (in %)0,13
Rohasche (in %)5,7 Natrium (in %)0,49
Rohfaser (in %)9,4 Kalium (in %)1,29
Bruttoenergie (kcal/g)5,34   

 



Zophoba (Zophobas morio):

Zophoba[5]
VorteileNachteile
  • leicht erhältlich
  • großes Futtertier
  • meistens sehr beliebt bei Sugar Glidern

 

  • hoher Fettgehalt
  • ungünstiges Ca-P-Verhältnis
  • schwer nachzuziehen
  • mitunter sehr strenger Geruch

Nährwerte Zophoba:[6]

Trockenmasse (in %)43,0 Calcium (in %)0,12
Rohprotein (in %)13,7 Phosphor (in %)0,83
Rohfett (in %)40,8 Magnesium (in %)0,18
Rohasche (in %)3,5 Natrium (in %)o.A.
Rohfaser (in %)13,0 Kalium (in %)o.A.
Bruttoenergie (kcal/g)1,47   

 



Heuschrecke (Wanderheuschrecke Locusta migratoria/) und (Wüstenheuschrecke/ Schistocerca gregaria):

Wanderheuschrecke[7]
VorteileNachteile
  • häufig in diversen Größen zu erhalten
  • wenig Fett
  • kann gut hochwertig zugefüttert werden
  • schwer zu züchten
  • hoher Preis
  • die großen Heuschrecken sind für „schreckhafte“ Gemüter teils schwer zu verfüttern

Nährwerte Heuschrecke:[8]

Trockenmasse (in %)33,7 Calcium (in %)0,27
Rohprotein (in %)13,7 Phosphor (in %)1,77
Rohfett (in %)4,3 Magnesium (in %)o.A.
Rohasche (in %)2,3 Natrium (in %)o.A.
Rohfaser (in %)o.A. Kalium (in %)o.A.
Bruttoenergie (kcal/g)1,47   

 



Schaben (z.B. Blaptica dubia):

Blaptica dubia[9]
VorteileNachteile
  • einfach zu züchten
  • günstiges Nährstoffverhältnis
  • kann gut hochwertig ernährt werden
  • großes Futtertier
  • Zucht lohnt erst, wenn große Mengen verfüttert werden
  • entkommene Futtertiere überleben in der Wohnung mitunter sehr lange
  • für einige mit Sicherheit schwer zu verfüttern (Ekelfaktor)

Nährwerte Schabe:[10]

Trockenmasse (in %)42,2 Calcium (in %)0,2
Rohprotein (in %)52,5 Phosphor (in %)0,43
Rohfett (in %)32,8 Magnesium (in %)o.A.
Rohasche (in %)4,0 Natrium (in %)o.A.
Rohfaser (in %)o.A. Kalium (in %)o.A.
Bruttoenergie (kcal/g)1,07   

 



Wachsmaden (Galleria mellonella):

Wachsmaden[11]
VorteileNachteile
  • schmeckt den Sugar Glidern sehr gut
  • reichhaltig
  • gut zum Aufpäppeln geeignet
  • hoher Fettgehalt
  • entwickeln sich bei „falsche“ Lagerung schnell zu Motten
  • vergleichsweise hoher Preis
  • kann nicht sehr gut zugefüttert werden

Nährwerte Wachsmade:[12]

Trockenmasse (in %)34,1 Calcium (in %)0,11
Rohprotein (in %)42,4 Phosphor (in %)0,62
Rohfett (in %)46,4 Magnesium (in %)0,11
Rohasche (in %)2,7. Natrium (in %)0,05
Rohfaser (in %)4,8 Kalium (in %)0,72
Bruttoenergie (kcal/g)7,06   



Wie viele Futtertiere darf ich verfüttern?

Generell sollte darauf geachtet werden Futtertier nur in Maßen zu verfüttern. Sie sollten eher ein Leckerchen und eine kleine Abwechslung, nicht aber einen großen Bestandteil der gesamten Ernährung darstellen. Es ist schwer hier genaue Mengenangaben zu machen, daher dient die nachfolgende Empfehlung eher als Orientierung und setzt eine gesunde Grundernährung unter Beachtung aller für Sugar Glider wichtiger Bestandteile voraus:

  • Heimchen, Heuschrecke, Zophoba, Schabe (ca 1 pro Tier)
  • Mehlwurm klein (ca 5-10 pro Tier)
  • Maden (nicht regelmäßig und dann ca 1-2 pro Tier)
  •  

 

Text: Daniel Landmann

 

[1] Open source

[2] Vgl. Bernard, Allen & Ullrey (1997): „Feeding captive insectivorous animals: Nutritional aspects of insects as food” (Fact Sheet 03, Nutrition advisory group handbook). Association of Zoos and Aquariums, Silver Springs, MD, S. 4f.

[3] Open source

[4] Vgl. Bernard, Allen & Ullrey (1997): „Feeding captive insectivorous animals: Nutritional aspects of insects as food” (Fact Sheet 03, Nutrition advisory group handbook). Association of Zoos and Aquariums, Silver Springs, MD, S. 4f.

[5] Open source

[6] Vgl. Barker, Fitzpatrick & Dierenfeld (1998): „Nutrient composition of selected whole invertebrates”. In: Zoo Biology 17, S. 123-134.

[7] Open source

[8] Vgl. Bukkens (1997): “The nutritional value of edible insects”. In: Ecology of Food and Nutrition, 36:2-4, S. 287-319.

[9] Open source

[10] Vgl. Kulma, Plachý, Kouřimská, Vrabec, Bubová, Adámková & Hučko (2016): Nutritional value of three Blattodea species used as feed for animals. In: Journal of Animal and Feed Sciences, 25, S. 354-360.

[11] Open source

[12] Vgl. Bernard, Allen & Ullrey (1997): „Feeding captive insectivorous animals: Nutritional aspects of insects as food” (Fact Sheet 03, Nutrition advisory group handbook). Association of Zoos and Aquariums, Silver Springs, MD, S. 4f.

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