Zucht

Auch wenn die Tiere früh geschlechtsreif werden, heißt das nicht, dass sie sich in jungem Alter schon fortpflanzen sollten. Während bei Männchen keine schweren Folgen auftreten, ist es bei den Weibchen möglich, dass sie durch eine zu frühe Schwangerschaft Wachstumsprobleme bekommen, unterernährt sind oder im Extremfall sogar sterben können. Deswegen sollten junge Weibchen nie mit geschlechtsreifen Männchen gehalten werden, sondern nur mit Weibchen oder kastrierten Männchen. Mit etwa weniger als einem halben Jahr können Weibchen bereits geschlechtsreif sein. Wenn man mit einem Weibchen in die Zucht gehen will, sollte man danach jedoch noch einige Monate warten, vorzugsweise bis das Weibchen ein knappes Jahr alt ist.

Zusätzlich sollte man sich bewusst machen, dass die Weibchen keine „Brutmaschinen“ sind und nicht als solche missbraucht werden sollten. Man muss darauf achten, dass man die Muttertiere während und nach einer Schwangerschaft mit genug Nährstoffen versorgt und ihnen auch ausreichend Zeit einräumt, sich von der Schwangerschaft und von der Versorgung der Jungtiere zu erholen. Zu viele Schwangerschaften hintereinander können körperliche Schäden hinterlassen, aber auch psychische. So können Zuchtweibchen häufig stressbedingte Symptome zeigen wie Selbstverstümmelung oder auch Kannibalismus an den Joeys. Letztgenanntes Problem ist leider vielen Züchtern bekannt. Warum die Weibchen ihre Joeys aus dem Beutel ziehen und fressen, ist nicht ganz geklärt. Einerseits ist es möglich, dass Sugar Glider merken, wenn ein Joey fehlentwickelt oder krank ist und deswegen zugunsten von gesunden Tieren ihren Nachwuchs selektieren. Möglich ist aber auch, dass Stress, Unerfahrenheit oder eine unausgewogene Ernährung Einfluss auf das Verhalten der Weibchen hat. Es kann ebenfalls vorkommen, dass Muttertiere durch zu übereifriges Putzen den Joeys Gliedmaßen abbeißen. Auch dieses Verhalten kann durch Stress ausgelöst werden.

Wenn man in Erwägung zieht, Sugar Glider zu züchten, muss man sich im Vorfeld gründlich informieren und im Idealfall mit einem erfahrenen Züchter Kontakt aufnehmen, um nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Einflüsse, die Schwangerschaften und Jungtiere auf eine Gruppe haben können, in Erfahrung zu bringen. Generell muss man damit rechnen, dass das Zuchtpärchen bei einer Schwangerschaft sein Verhalten umstellt. Dies gilt sowohl für Weibchen als auch für Männchen. Männchen sind während der Schwangerschaft der Partnerin in erhöhter Alarmbereitschaft und oft unruhig und scheu, egal wie zutraulich sie vorher gewesen sein mögen. Schwangere Weibchen werden während der Schwangerschaft oft träge und brauchen eine angepasste Ernährung, mehr Insekten und mehr Ruhe. Und trotzdem – manchmal, auch wenn alle Bedingungen zu passen scheinen, kann es immer noch dazu kommen, dass die Joeys von den Elterntieren abgelehnt und getötet werden. Man muss auf jeden Fall auch mit solchen Ereignissen rechnen, auch wenn wir es niemandem wünschen.

Zusätzlich sollte man sich immer gründlich über die Abstammung der Sugar Glider informieren und im Idealfall nur mit solchen Tiere züchten, die mit einem legitimen und nachvollziehbaren Stammbaum verkauft werden, um Inzucht und die daraus folgenden Probleme zu vermeiden. Bestenfalls führt Inzucht bei den Tieren optisch zu keinen Beeinträchtigungen, jedoch sind Spätfolgen und organische Schäden oft nicht absehbar. Fälle, in denen Sugar Glider nach und nach erkranken oder aus „unerklärlichen“ Gründen plötzlich sterben, können oft auf Inzucht zurückgeführt werden. Eine andere Krankheit, die ebenfalls erwiesenermaßen durch Inzucht verursacht wird, ist die sogenannte „Wiggles Disease“ – symptomatisch ist hier, dass die erkrankten Tiere instabil sind und ständig „wackeln“. Ebenfalls haben diese Tiere einen unsicheren Gang und Probleme damit, sich festzuhalten. All diese Faktoren sind zu berücksichtigen, bevor man beschließt, mit Sugar Glidern zu züchten. Wir empfehlen ein mögliches Zuchtpaar in verschiedenen Gruppen zu halten, bevor man die Entscheidung trifft, die Tiere zur Zucht zusammenzuführen. Als Einsteiger sollte man sechs bis zwölf Monate Haltungserfahrung mitbringen, bevor man diesen Schritt wagt, um die Tiere auch während der Schwangerschaft gut handhaben zu können.

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