Sugar Glider brauchen Gesellschaft

Dieses Thema ist so wichtig, dass es einen eigenen Eintrag verdient, damit es nicht irgendwo zwischen den Zeilen dieses Haltungsratgebers verloren geht. Es kann nicht oft genug betont werden, wie sehr Sugar Glider die Gesellschaft von Artgenossen brauchen, um ihre körperliche und psychische Gesundheit sicherzustellen.

Wilde Sugar Glider leben in mitunter sehr großen Kolonien, denn Einsamkeit bedeutet für Sugar Glider in freier Wildbahn den sicheren Tod. Die Sugar Glider in unserer Obhut befinden sich zwar nicht in tödlicher Gefahr vor Fressfeinden (obwohl so mancher Sugar Glider schon sein vorzeitiges Ende in Gestalt der Hauskatze oder des Familienhundes gefunden hat). Das heißt aber nicht, dass sie ihren Urinstinkt nach Gesellschaft abgelegt haben.

Sugar Glider in Menschenhand sind keine „zahmen Haustiere“ und können somit nicht mit domestizierten Tierrassen wie dem Hund verglichen werden. Hunde sind über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren domestiziert worden (Schätzungen zufolge schon vor 18 – 32 Tsd. Jahren) und haben gelernt, Menschen als Teil ihres Rudels zu akzeptieren. Trotz dieser tausende von Jahren alten Verbindung brauchen Hunde eine klare Hierarchie, sie wollen ihr Rudel beschützen, sie besitzen immer noch einen ausgeprägten Jagdinstinkt und streiten sich ums Futter. Auch Hunde lassen also zum Teil immer noch ihre wilden Instinkte erkennen.

Sugar Glider wiederum werden erst seit ca. 200 Jahren in Menschenhand gehalten. So schreibt Stephen Jackson (2003) im Werk Australian Mammals: Biology and Captive Management:

„Possums and gliders have long been held in captivity with records suggesting that considerable numbers of sugar gliders were held as pets as early as 1830 – 1840s”[1].

Ebenso haben Sugar Glider nicht den Kontakt zu Menschen gesucht, um ihr Leben zu erleichtern (so wie es bei Hunden vermutet wird), wir haben Sugar Glider ausgesucht, damit sie unser Leben bereichern.

Es gibt immer noch unseriöse und unmoralische Züchter, die Sugar Glider zur Einzelhaltung unter dem Versprechen anbieten, dass die Tiere ausgelastet und zufrieden seien, wenn man sich als Halter mit ihnen zwei Stunden pro Nacht beschäftigt. Solchen Behauptungen sollte kein Glauben geschenkt werden: 2 Stunden Gesellschaft bedeutet gleichzeitig 22 Stunden Einsamkeit. Hinzu kommt, dass Sugar Glider nachtaktiv sind und gerade dann besonders viel Energie an den „Tag“ legen, wenn man selbst für gewöhnlich schläft (oder zumindest schlafen sollte).

Auch die Behauptung, dass die Bindung zu einem Einzeltier für den Halter leichter ist als bei einer Haltung mit zwei Tieren ist nicht richtig. Glider, die zusammengehalten werden, sind selbstsicherer und zutraulicher als Glider in Einzelhaltung. Unsicherheit bei Glidern zeigt sich durch vermehrtes Bellen und Nervosität. Dieses Verhalten kann zwar auch bei Tieren, die als Pärchen oder in Gruppen gehalten werden, vorkommen, jedoch hilft es den schüchternen Glidern oft sehr, wenn sie sich an mutigeren Tieren orientieren können.

Cathy A. Johnson-Delaney (2006) berichtet davon, dass Sugar Glider als Versuchstiere in Laborexperimenten zur Erforschung von Depression durch Serotoninmangel eingesetzt wurden. Sie berichtet in Practical Marsupial Medicine:

„Self-mutilation is usually seen in solitary sugar gliders. Sugar gliders have been used in laboratory animal medicine as models of serotonin-deficiency depression. To clinically depress a sugar glider, the researchers found one only has to house them as single animals.” [2]

Über Depressionen weiß man, dass sie das Immunsystem schwächen. Folglich sind alleinlebende Sugar Glider anfälliger für Krankheiten. Selbstverstümmelung, ein verbreitetes Problem bei alleinlebenden Glidern, fängt meist mit exzessivem Putzen an. Im Weiteren kann es dazu kommen, dass sich die Tiere das Fell ausreißen und sich beißen. Ist dies der Fall, sollte dringend ein Tierarzt eingeschaltet werden, da sich die Tiere ernsthaften Schaden zuziehen können.

Depression, Immunsuppression und Selbstverstümmelung sind nicht die einzigen Gefahren einer Einzelhaltung von Sugar Glidern. Die Tiere müssen bei ausreichend warmer Raumtemperatur gehalten werden, da ihr Körper bei zu niedriger Körpertemperatur in den Torpor verfällt. Dies ist auch in wilden Kolonien zu beobachten. Auch hier fallen die Tiere in den Torpor, falls das Wetter zu schlecht für die Futterjagd sein sollte. Der Unterschied ist hier allerdings, dass sich die Tiere durch die Körpernähe gegenseitig wärmen könne, damit die Körpertemperatur den kritischen Wert nicht unterschreitet.

Wenn jedoch in Menschenhand lebende Glider in den Torpor verfallen, fällt es ihnen wegen der fehlenden Kolonie schwer, ihre Körpertemperatur zu halten. Kommt es zum Torpor, verbrauchen die Tiere ihre Energiespeicher beim Versuch, die Körpertemperatur und die Funktionen aller inneren Organe aufrecht zu erhalten. Sind die Energiespeicher verbraucht, versagen die Körperfunktionen und das Tier stirbt, wenn es nicht rechtzeitig wärmebehandelt wird.

Wenn also nicht sichergestellt werden kann, dass die Tiere mindestens in Zweiergruppen gehalten werden, sollte man von der Idee, Sugar Glider als Haustiere zu halten, Abstand nehmen. Dies wäre schlicht und ergreifend Tierquälerei und grausam.


[1]Deutsche Übersetzung: [„Possums und Gleitbeutler werden schon seit langem in Menschenhand gehalten, Aufzeichnungen legen nahe, dass eine beträchtliche Anzahl an Sugar Glidern bereits in den 1830er und 40er Jahren als Haustiere gehalten wurden“].

[2]Selbstverstümmelung ist vor allem bei Sugar Glidern in Einzelhaltung zu beobachten. Sugar Glider wurden in der laboratorischen Tiermedizin lange Zeit als Versuchstiere für Depressionen, die durch Serotoninmangel verursacht werden, verwendet. Um einen Sugar Glider klinisch depressiv zu machen, so fanden die Forscher heraus, muss man ihn lediglich in Einzelhaltung unterbringen.

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