Falls man mit einem Paar aus Männchen und Weibchen nicht züchten möchte, muss das Männchen zwangsläufig kastriert werden. Egal ob die Tiere verwandt sind oder nicht, sie werden sich fortpflanzen. Weibchen können nicht kastriert werden, da die nötige Operation an einem so kleinen Tier sich als zu kompliziert erweist und das Risiko zu hoch ist, dass das Tier den Eingriff nicht überlebt. Bei Männchen ist der Eingriff dafür schnell und unkompliziert. Sie können meist eine halbe Stunde nach der Narkose schon wieder aktiv sein.
Kastrierte Männchen können sehr gutmütige und zahme Haustiere sein, da sie nicht so sehr von ihren Hormonen gesteuert werden. Für viele Halter stellen kastrierte Männchen deshalb die „besseren“ Haustiere als unkastrierte Männchen oder Weibchen dar. Sie neigen nicht so sehr zu territorialem Verhalten, besonders dann nicht, wenn sie zu einem frühen Zeitpunkt kastriert worden sind. Dabei verlieren sie aber nicht die abenteuerlustige Neugier, die unkastrierte Männchen ausmacht.
Unkastrierte Männchen setzen ihre Duftdrüse beträchtlich oft ein. Männliche Glider haben dabei hauptsächlich Duftdrüsen auf der Stirn und der Brust, aber auch eine anale Duftdrüse. Der Geruch ist dabei nicht übermäßig streng (wobei sich hierüber die Geister scheiden), jedoch unbestreitbar stark. Die Kastration führt nicht dazu, dass die Tiere ihr Markierverhalten einstellen, der Geruch geht jedoch merklich zurück.
Aus den Duftdrüsen an Stirn und Brust tritt eine gelblich-ölige Flüssigkeit aus, die das umliegende Fell bedeckt und mit der die Männchen die anderen Mitglieder der Kolonie einreibt – werden die Drüsen durch eine Kastration „entschärft“, hat dies auch eine positive Auswirkung auf die äußere Erscheinung des Fells der gesamten Kolonie.
Wie bereits erwähnt, sind kastrierte Männchen wesentlich einfacher zu vergesellschaften als unkastrierte Männchen und sie können bei einer Vergesellschaftung mit einem Zuchtpärchen eine große Bereicherung darstellen.
Es ist nicht ungewöhnlich, wenn kastrierte Männchen Weibchen besteigen, vor allem dann nicht, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt nach Eintritt der Sexualreife kastriert wurden. Man sollte also nicht überrascht sein, wenn man dieses Verhalten beobachten sollte. Natürlich ist ein kastriertes Männchen nicht in der Lage, ein Weibchen zu schwängern.
Ein körperlicher Nutzen einer Kastration bei Sugar Glidern ist bisher nicht dokumentiert. Es ist allerdings zu erwarten, dass es sich hier wie bei anderen Tierarten verhält.
Wenn man sich entscheidet, seinen Sugar Glider kastrieren zu lassen, sollte man einen Tierarzt finden, der entweder Erfahrung im Bereich hat oder bereit ist, sich mit den Besonderheiten der tierärztlichen Behandlung von Sugar Glidern auseinanderzusetzen. Die meisten Tierärzte, die auf exotische Tierarten spezialisiert sind, können die Operation normalerweise problemlos durchführen.
Zwei etablierte Kastrationsmethoden sind zum einen die „klassische“ Kastration mittels Klemme und Skalpell, zum anderen die Kastration mit einem chirurgischen Laser. In beiden Fällen wird der komplette Hodensack entfernt. Die Kastration mittels Laser bietet den Vorteil, dass keine Nähte erforderlich sind, jedoch verfügt nicht jeder Tierarzt über einen chirurgischen Laser.

Wenn ein Glider aus der Narkose erwacht, wird sein erster Instinkt sein, an der Wunde zu lecken. Deswegen sollte der Glider am Anfang mit Essen abgelenkt werden. Viele Tierärzte verabreichen deshalb langanhaltende Schmerzmittel, um die Aufmerksamkeit der Tiere von der Operationswunde fernzuhalten. Sugar Glider sind bekannt dafür, dass sie ihre eigenen Wunden wiederaufreißen und Fäden entfernen, was innenliegende Nähte nötig macht.

Falls der kastrierte Sugar Glider die Naht öffnen sollte, muss man ihn wieder beim Tierarzt vorstellen, um die Naht zu schließen. Falls der Glider die Naht erneut öffnen sollte, muss ein Halskragen angebracht werden, damit die Wunde ohne Nagen heilen kann. Halskragen sind bei Sugar Glidern nicht einfach anzubringen, eventuell benötigt man hier weitere helfende Hände.
Manche Tierärzte raten dazu, das Männchen nach der Operation zeitweise vom Rest der Kolonie zu trennen. Obwohl dies im Sinne der Wundheilung verständlich ist, halten wir dieses Vorgehen weder für notwendig noch empfehlenswert. Das Männchen wird nach der Operation gestresst sein, was durch die Trennung von der Familie und die neue, ungewohnte Umgebung noch verstärkt werden kann. Es ist ratsamer, den kastrierten Sugar Glider direkt wieder seiner Gruppe zuzuführen und nichts an der täglichen Routine zu verändern. Die OP-Wunde sollte natürlich beobachtet werden, für gewöhnlich verläuft der Heilungsverlauf jedoch schnell und vollkommen unproblematisch.